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Ich bin gerade in Südafrika und hatte auf dieser Reise das Glück, Südkaper-Wale aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu erleben: vom Ufer aus während einer Küstenwanderung und vom Boot aus auf dem Meer.
Zwei Begegnungen mit denselben beeindruckenden Tieren – und doch fühlt sich jede anders an.
Beim Wandern kann man stehen bleiben, aufs Wasser schauen und sich Zeit nehmen. Auf dem Boot bekommt man ein anderes Gefühl für die Größe dieser Tiere. Und dafür, wie viel von ihrem Leben unter einer Oberfläche stattfindet, die uns nur gelegentlich einen kleinen Einblick gewährt.
Diese Begegnungen haben mich neugierig gemacht. Warum kommen die Wale jedes Jahr wieder hierher? Warum halten sie sich so nah am Ufer auf? Und was hat es damit auf sich, wenn eine riesige Schwanzflosse aus dem Wasser ragt?
Je mehr ich darüber erfahren habe, desto spannender wurden meine Beobachtungen.
Warum kommen Südkaper jedes Jahr ins Western Cape?
Südkaper, auf Englisch „Southern Right Whales“, kommen zur Fortpflanzung, zur Geburt und zum Säugen ihrer Jungen an die südafrikanische Küste. Die geschützten, küstennahen Gewässer des südlichen Kaps sind wichtige Geburts- und Aufzuchtgebiete.
Doch diese Zeit an der Küste ist nur ein Kapitel ihres Lebens.
Im Sommer der Südhalbkugel ernähren sich Südkaper hauptsächlich im südlichen Ozean. Ihre gewaltigen Körper werden von erstaunlich kleinen Lebewesen versorgt: Ruderfußkrebsen und Krill. Statt Zähnen besitzen sie Barten, mit denen sie ihre Nahrung aus dem Meerwasser filtern. Im Winter ziehen viele Tiere nach Norden in ihre Fortpflanzungsgebiete, unter anderem vor Südafrika.
Vom Ufer aus betrachtet, ist das ein besonderer Gedanke: Der Wal vor mir verbindet diese Küste mit weit entfernten Meeresgebieten, die ich wahrscheinlich nie sehen werde.

Ein neugeborener Wal – schon länger als ein Auto
Eine Zahl hat mich besonders beeindruckt: Ein Südkaperkalb ist bei seiner Geburt bereits etwa fünf bis sechs Meter lang.
Die Tragzeit beträgt ungefähr ein Jahr. Auch das Säugen dauert etwa ein Jahr, bevor das Kalb entwöhnt wird. Das vermeintlich kleine Tier neben seiner Mutter ist also schon bei der Geburt ziemlich groß – und hat noch viel Wachstum vor sich.
Was ich vorher ebenfalls nicht wusste: Eine jährliche Walsaison bedeutet nicht, dass jede Mutter jedes Jahr mit einem neuen Kalb zurückkehrt.
In Südafrika war lange ein Abstand von drei Jahren zwischen den Geburten typisch. Forschende haben inzwischen eine Verschiebung auf vier bis fünf Jahre festgestellt. Sie bringen diese Entwicklung mit Veränderungen in den Nahrungsgebieten und den Energiereserven der Weibchen in Verbindung. Was weit draußen im südlichen Ozean passiert, beeinflusst also auch die Begegnungen hier an der Küste.
Mit diesem Wissen schaut man anders auf eine Mutter mit ihrem Kalb. Hinter den beiden Rücken an der Wasseroberfläche steckt eine lange Geschichte.
Warum springen Wale aus dem Wasser – und können sie wirklich „segeln“?
Ich hatte damit gerechnet, etwas über die Wanderungen der Wale zu lernen. Dass sie auch segeln können, hat mich überrascht.
Südkaper heben manchmal ihre mächtige Schwanzflosse aus dem Wasser und halten sie in der Luft. Der Wind kann das Tier dadurch über die Wasseroberfläche schieben. Dieses Verhalten wird tatsächlich als „Sailing“, also Segeln, bezeichnet.
Noch spektakulärer ist das sogenannte Breaching: Ein Wal katapultiert einen großen Teil seines Körpers aus dem Wasser und landet miteinem gewaltigen Spritzer wieder im Meer.
Warum macht er das? Eine einzige, abschließend geklärte Antwort gibt es nicht. Mögliche Erklärungen sind Kommunikation, Spiel oder das Ablösen äußerer Parasiten. Je nach Situation könnte ein Sprung unterschiedliche Funktionen haben.
Mir gefällt, dass Fragen offen bleiben. Wir können diese Tiere beobachten, erforschen und Verhaltensmuster erkennen – und verstehen trotzdem noch längst nicht alles.
Ein persönlicher Fingerabdruck und vielleicht ein Jahrhundert Leben
Die rauen, hellen Hautstellen auf dem Kopf eines Südkapers heißen Kallositäten. Winzige Bewohner, insbesondere Walläuse, verleihen ihnen ihr weißliches Aussehen.
Die Anordnung dieser Stellen ist bei jedem Tier unterschiedlich. Forschende können einzelne Wale daran über Jahre hinweg wiedererkennen. Ein Foto kann damit weit mehr sein als eine schöne Erinnerung: Es kann helfen, die Lebensgeschichte eines Tieres nachzuzeichnen.
Und diese Geschichte kann erstaunlich lang sein. Die genaue Lebenserwartungist schwer zu bestimmen, doch einige Studien deuten darauf hin, dass Südkaperüber 100 Jahre alt werden können.
Ein Gedanke, der mich beschäftigt: Das Tier dort draußen könnte schon durch diese Gewässer gezogen sein, lange bevor ich geboren wurde.
Wann und wo kann man Südkaper in Südafrika beobachten?
Die übliche Saison für Südkaper-Beobachtungen rund um Hermanus und Gansbaai dauert von Juni bis November. Teilweise sind die Tiere noch im Dezember zu sehen. Ihre Ankunft und Abreise können variieren; eine Sichtung lässt sichnicht garantieren.
Hermanus, De Kelders und Gansbaai bieten Möglichkeiten zur Walbeobachtung vom Land aus. Man muss also nicht unbedingt aufs Boot steigen. Manchmal reichen ein Küstenweg, etwas Geduld und ein aufmerksamer Blick aufs Meer.
Nachdem ich auf dieser Reise beide Perspektiven erleben durfte, bin ich froh, dass ich mir für beide Zeit genommen habe. Es hat etwas Besonderes, während einer Wanderung einen Wal zu entdecken. Man bleibt stehen. Schaut noch einmal hin. Und plötzlich ist der Rest des Nachmittags nicht mehr so dringend. Genau dafür möchte ich auch in den Reisen, die wir bei Ajimba planen, Raum lassen: für einen Spaziergang, eine Pause und die Möglichkeit, dass sich direkt vor der Küste etwas Außergewöhnliches zeigt.
Die Wale kommen für einen wichtigen Abschnitt ihres Lebens ans Kap.
Ihnen ein wenig unserer Zeit zu schenken, erscheint mir eine schöne Art, das zu würdigen.
Frank
Ajimba African Tours
Vertiefende Informationen, passende Links oder ein Video zum Beitrag finden Sie hier – sofern zum Artikel weitere Inhalte hinterlegt sind.